Motivation reicht nicht aus, man braucht Kontakt zu seiner Berufung
Wir leben in einer Gesellschaft, die besessen ist von Motivation. Wir suchen motivierende Videos, Zitate, Bücher. Als ob es nur darum ginge, jeden Tag aufs Neue diesen Kick, diesen Funken, diese Adrenalindosis zu finden, um weiterzumachen – selbst wenn wir keine Lust haben. Doch dieser Ansatz hat ein Problem: Er funktioniert nicht auf Dauer. Oder besser gesagt: Er funktioniert kurzzeitig. Dann verpufft er. Und wir bleiben leer zurück, frustriert, auf der Suche nach dem nächsten „Push“.
Die Wahrheit ist: Motivation ist instabil. Sie ist wie ein Strohfeuer – intensiv, aber kurz. Sie gibt Energie, aber keine Richtung. Sie bringt Bewegung, aber keine Klarheit. Sie ist nützlich, ja, aber nicht ausreichend.
Was wirklich den Unterschied macht, ist nicht Motivation. Sondern der Kontakt zu deiner Berufung.
Deine Berufung ist kein abstraktes Konzept. Sie ist diese innere Richtung, die dich ruft – leise, aber stetig. Es ist ein Resonanzgefühl, ein „Das bin ich“, etwas, das du fühlst, bevor du es verstehst. Manchmal ist sie sofort klar. Manchmal zeigt sie sich schrittweise, je mehr du das Hintergrundrauschen abschaltest.
Wenn du mit deiner Berufung in Kontakt bist, musst du dich nicht täglich motivieren. Du musst dich nicht überzeugen, nicht pushen, nicht antreiben. Du spürst einfach, dass das, was du tust, Sinn ergibt. Dass es zu dir passt. Dass es dich von innen bewegt.
Motivation zwingt dich, jeden Tag aufs Rad zu steigen. Die Berufung lässt dich spüren: Das ist mein Weg. Selbst wenn es schwer ist, selbst wenn die Ergebnisse auf sich warten lassen – du weißt, du bist am richtigen Ort.
Wie erkennst du deine Berufung?
Zuerst brauchst du Stille. Hör auf, äußeren Vorbildern nachzujagen. Hör auf zu glauben, du müsstest ständig inspiriert, motiviert oder „on fire“ sein. Fang an, wirklich hinzuhören – auf deinen Körper, deine Gefühle, deine wiederkehrenden Bilder, deine Träume. Oft schreit deine Berufung nicht. Du musst lernen, sie im Flüsterton zu hören.
Eine Übung: Denk an Momente, in denen du dich ganz gefühlt hast. Nicht euphorisch, nicht ekstatisch – sondern einfach stimmig. In Einklang. Diese Augenblicke, in denen du wusstest: Das bin ich. Da liegt oft eine Spur deiner Berufung.
Ein weiteres Zeichen: Wenn du dich zu sehr motivieren musst, um ein Ziel zu verfolgen, ist es vielleicht nicht (mehr) dein Ziel. Manchmal verfolgen wir Dinge, die früher Sinn machten – heute aber nicht mehr zu uns passen. An ihnen festzuhalten, erschöpft. Sie loszulassen, befreit.
Die Berufung ist kein Druck. Sie ist ein Sog. Kein Rennen. Sondern ein Ruf. Wenn du lernst, ihr zu folgen, wird vieles einfacher – nicht weil es leicht ist, sondern weil es Sinn ergibt. Die Anstrengung bleibt, aber sie ist erfüllt. Der Zweifel bleibt, aber er lähmt nicht. Die Zeit vergeht, aber sie fühlt sich nicht verschwendet an.
Die eigentliche innere Arbeit besteht nicht darin, Motivation zu finden. Sondern Raum zu schaffen für deine Berufung. Und das braucht Zuhören, Präsenz, Ehrlichkeit – und Vertrauen: Etwas in dir weiß längst, wohin es gehen soll. Du musst nur lernen, es zu hören.
by Bruno